Heute klingelt um 7 Uhr bei fast allen das Telefon auf dem Zimmer in einer Lautstärke, dass man meint es ist Feueralarm. Dabei ist es nur der Weckanruf und somit die Vorsorge, dass auch alle ihre Uhren umgestellt haben.
Trotz der Sommerzeit und einer kurzen Nacht sind alle pünktlich ab 8:15 Uhr beim Frühstück – nur dass die Abfahrt schon um 9 Uhr statt um 9:15 ist, haben nicht alle mitbekommen. Aber wir sind ja relaxed und da doch noch nicht so viel Verkehr wie erwartet auf dem Weg nach Sevilla ist, passt der Zeitplan für die Stadtrundfahrt, den Besuch des Plaza España (mit Singeinlage) und die Führung im königlichen Alcazar Palastes perfekt.

Plaza Espana

Alkazar
Ab heute ist Sevilla im Ausnahmezustand, da die „Heilige Woche“, die Semana Santa, die vom Palmsonntag bis zum Ostersonntag geht, beginnt. Über 60 Bruderschaften ziehen durch die Stadt und jeden Tag gibt es Prozessionen. Und auch die Kapuzenmänner (Nazarenos) sind überall unterwegs.

Jung und Alt, Gr0ß und Klein kleiden sich überaus festlich und chic. Die ganze Stadt scheint auf den Beinen zu sein. Man zeigt sich im besten Sonntagshäs, geht Essen und ein Gläschen Wein trinken und man trifft Freunde und Familie. Und da sich auch noch viele Touristen hier tummeln, wird die Altstadt zusehends voller. Und das tolle Wetter mit blauem Himmel und 20° C trägt dazu natürlich auch bei.

Die berühmten Keramikkacheln sind überall zu finden
Wir haben uns deswegen für eine Bootstour auf dem Guadalquir entschieden und genießen den besonderen Blick auf die Stadt vom Wasser aus.

Nein, dass ist nicht unser Schiff, sondern ein Nachbau der Nao Viktoria, mit der Magellan die Welt umsegelte.
Die Ibero-Amerikanische Ausstellung von 1929 und die Weltausstellung Expo 1992 haben bis heute ihre Spuren hinterlassen. Die teilnehmenden Länder haben prächtige ländertypische Pavillons erstellt, die heute noch von diesen Ländern oder anderweitig genutzt werden. Es wurden mehrere architektonisch sehenswerte Brücken für die Ausstellungen erbaut, was uns auf unserem Schiff in 5 Sprachen, zusätzlich zu den vielen Türmen und Gebäuden, mit hörbaren Stolz präsentiert wird.

Natürlich ist diese Stadt auch sonst überaus geschichtsträchtig, ist doch Christoph Columbus von Huelva (ca. 70 km von Sevilla entfernt) aus nach Indien gestartet und in der Kathedrale von Sevilla beigesetzt. Viele Kulturen haben hier ihren Fußabdruck hinterlassen, was bei jedem Schritt spürbar ist. Allein die Altstadt erstreckt sich über 4 km².
Vom Wind durchgepustet, voller Eindrücke und langsam fußmüde machen wir uns auf den Weg ins Hotel. Leider ist die Bar noch zu, also eröffnen wir unsere eigene Bar.

Karambo, Karacho, ein Whiskey
Jetzt noch Abendessen und ein toller Tag geht zu Ende. Apropos Abendessen; der angekündigte Putenbraten mit süßer Orangensoße und cremiger Kartoffelbeilage hat sich als Schweine- bzw. Rindergulasch mit Reis und süßlicher Soße entpuppt. Aber erstens sind wir relaxed und zweitens hat es gut geschmeckt. Die Bar hat geöffnet und so findet noch der ein oder andere Absacker einen neuen Besitzer. Guads Nächtle.

Flugroute
Heute geht’s es also endlich los. Wir starten bei eiskaltem Wetter in Böblingen und fahren mit dem Bus nach Zürich. Es bleibt am Flughafen Kloten genügend Zeit, die Kofferanhänger beim Automaten anhand der Bordkarte rauszulassen und einige haben es sogar geschafft, die Anhänger schon zu Hause beim Check-In anzufordern und auszudrucken. So geht es Ruckzuck, bis alle auf dem Weg zur Sicherheitskontrolle sind. Dort wird auf 3 Ebenen abgefertigt, man muss nix aus dem Rucksack in die Schalen legen – keine Flüssigkeiten, keine elektronischen Geräte – und schon geht es in den A320 der Edelweiss Air.
Was aber immer wieder verwundert ist, dass zwar das Boarding in Gruppen 1 – 5 eingeteilt ist, aber trotzdem beim Einstieg über eine Gangway mit einer Tür (also nicht per Bus übers Rollfeld und 2 offene Türen) nicht von hinten nach vorne aufgefüllt wird, sondern erst die Businessclass aufgerufen wird (na ja die zahlen ja auch mehr, kommen aber auch nicht früher ans Ziel) und dann nach und nach bis zu den hintersten Plätzen. Und es dauert bis jeder seine Sachen verstaut hat und endlich sitzt und die anderen Passagiere vorbei können. Na ja es muss ja auch noch Verbesserungspotential da sein – vielleicht kann man ja mal die KI fragen, wie das optimiert werden könnte 😉
Der Service ist ausgezeichnet, die Essen reicht bis zur letzten Reihe (Insiderwissen von unserer Reise 2016 in die USA) und nach 1781 km landen wir pünktlich bei 18 Grad und wolkenlosen Himmel in Faro / Portugal.
Eine interessante Beobachtung noch aus dem Flieger: Früher gab es „Kotztüten“ in den Sitzennetzen vor einem, jetzt gibt es Spendentüten für einen guten Zweck. Die Zeiten ändern sich eben.

Spendentüte
Da wir noch in Portugal sind, müssten wir eigentlich die Uhren eine Stunde zurück stellen. Bei die Überquerung der Grenze nach Spanien dann wieder eine Stunde vorstellen und da ja von heute auf morgen die Umstellung der Winter- auf die Sommerzeit erfolgt, um 2 Uhr auf 3 Uhr umstellen. Es wird also spannend, ob morgen alle rechtzeitig zum Frühstück und zur Abfahrt da sind.
Unsere Reiseleiterin Barbara Mayer nimmt uns am Flughafen in Empfang, wir singen natürlich ein kurzes Ständchen und dann haben wir noch 2 Stunden Busfahrt nach Sanlucar Mayor (26 km vor Sevilla) vor uns.

Der Reischor singt in der Ankunftshalle
Auf der Fahrt bekommen wir erste Infos über die Geschichte Andalusiens und Sevillas. Wir haben einen tollen Bus ohne Netze am Sitz, dafür an fast jedem Sitzplatz Strom zum Handyladen. Man kann eben nicht alles haben.
Um 23 Uhr noch ein Abendessen im Hotel – alles etwas lauwarm, aber einigermaßen essbar und dann ins Bett. Schließlich wird uns ja heute Nacht noch eine Stunde geklaut.
Bald ist es soweit – Andalusien und Marokko warten. Die Vorbereitungen laufen wieder auf Hochtouren. Es gibt immer noch An- und Abmeldungen, die T-Shirts (schwarz, rot, gelb) müssen neu bestellt werden bzw. neu bestickt werden, die Raten für die Bezahlung stehen an, das Liedrepertoire muss zusammengestellt werden und die letzten Proben stehen an.
Es gibt immer wieder wichtige Fragen zu klären:
Ist der Reisepass noch gültig ?
Braucht man einen Stecker-Adapter in Marokko ?
Sollte Geld getauscht werden und wenn ja, in D oder vor Ort? Und wie heißt die Währung in Marokko ?
Hat jeder ein Handy zum Einchecken für den Rückflug ?
Konzertkleidung ?
Die Spannung steigt und angesichts der Überschwemmungen in Andalusien und Marokko in den letzten Tagen, bleiben doch einige Fragezeichen offen. Alle sind gespannt, was uns dort erwartet.
Saludos cordiales
تحيات حارة Tahiat hara