April 2026

05.04.26: Fès intensiv – Medina, Handwerk & Geschichte

Heute geht es zuerst mit dem Bus zum Königspalast, der mit 83 ha riesig ist, und obwohl der König sehr selten hier wohnt und regiert, gibt es entlang der Palastmauer alle 20 m ein Wachhäuschen für die Soldaten, die den Palast bewachen.

Fès ist eine Stadt des Handwerks, der Religion und der Bildung. Hier entstand angeblich 859 die erste Universität der Welt. Und sie ist u.a. für ihre Keramiken berühmt. Es gibt eine Handwerkskammer, die eine Art Ausbildung für Keramiker anbietet und die besuchen wir. Der Beruf ist körperlich sehr anspruchsvoll und erfordert viel Geduld und Präzision. Wir dürfen bei einzelnen Arbeitsschritten zusehen und es wird uns erst jetzt bewußt, wie aufwendig die Mosaiken hergestellt werden, die überall in Marokko gegenwärtig sind.

Es gibt ein kleines Museum und natürlich einen Shop, in dem man sehr schöne Mosaiktische, Vasen, Teller und auch Brunnen kaufen kann. Mit dem Flieger wird es aber schwierig, das nach Deutschland zu transportieren, aber uns wird sofort mitgeteilt, dass ein Versand natürlich überhaupt kein Problem ist. Also ein kleines Tischen oder ein Brunnen würde schon in den ein oder anderen Garten passen.

Wir fahren mit dem Bus zu unserem nächsten Termin um 11:30 Uhr, die Mitwirkung in einem Gottesdienst. Und was wir dort erleben, ist etwas ganz anderes, als wir erwartet haben. Es ist nämlich ein evangelikaler Gottesdienst der Gemeinde aus Gabun, der eigentlich min. 2 Stunden dauert, von einem Chor und einer Band begleitet wird und sehr an einen Gospelgottesdienst aus den USA erinnert. Die Bibelverse werden vorgesungen und die ganze Gemeinde singt immer mal wieder mit. Damit das klappt, werden die Texte über einen Bildschirm angezeigt. Überhaupt wird alles gefilmt und wahrscheinlich gestreamt.

Mit viel Emotionen und Hingabe wird an die Geschichte und die Bedeutung des Osterfestes erinnert und wir sind teilweise etwas überfordert. Es ist sehr laut, der Raum im 4. Stock eines Wohnhauses platzt aus allen Nähten, es ist warm und stickig, es gibt ein ständiges Kommen und Gehen und alles in französischer Sprache. Nach einer Stunde haben wir die Gelegenheit unsere Art der Kirchenmusik darzubringen und der Kontrast könnte nicht größer sein. Die Überraschung ist auf beiden Seiten spürbar, aber trotzdem ist die Atmosphäre sehr herzlich. Dem ganzen Gottesdienst wohnen wir nicht bei, das ist einfach zu lang und unser Mittagessen wartet schon.

Medina

Es geht mit dem Bus zur Medina, wo wir in einem marokkanischen Restaurant schon erwartet werden. Es gibt als Vorspeise kleine Schälchen mit Avocados, Auberginenmus, Oliven, Süßkartoffeln, Schafskäse, Sellerie und Brot. Eigentlich kann man davon schon satt werden.

Marrokanische Vorspeisen

Als Hauptspreise kann man wählen zwischen Tajine und Pastilla, einer Teigpastete aus Filoteig, gefüllt mit Hühnchen, Gemüse, bestäubt mit Puderzucker und Zimt. Ungewöhnlich als Hauptspeise und sehr lecker. Abgerundet wird alles mit frischem Obst und marokkanischem Kaffee. Eigentlich wäre jetzt eine Siesta nicht schlecht, aber unser Adil möchte uns durch die Medina von Fès schleusen.

Ganz grober Medinaplan

Die Medina ist ein riesiges Labyrinth aus ca. 9000 engen Gassen, traditionellen Häusern und Märkten und UNESCO Weltkulturerbe. Um unsere Gruppe mit 45 Personen da durch zu führen, ist Verstärkung in Form einens Lumpensammler eingetroffen, der immer am Ende der Gruppe versucht keinen zu verlieren. Aber 10 % Schwund ist eigentlich normal und manch ein Reiseleiter hat schon eine Suchaktion starten müssen. Es gibt dann auch „hilfsbereite“ Marokkaner, die verirrte Touristen gerne gegen ein Trinkgeld wieder aus der Medina rausführen.

Wir schlängeln uns durch Menschenmassen vorbei an Stoffballen, Kleidung, Schmuckgeschäften, Sellou (eine Art Türkischer Honig), Schuhen, Souvenirs, Gemüse und vielem mehr, immer damit beschäftigt Adil nicht aus den Augen zu verlieren. Er will uns so viel wie möglich zeigen, biegt mal rechts, mal links ab, rein in einen Innenhof, Halt vor einer Moschee und rein in eine Art Parfümerie. Hier heißt uns ein Verkäufer willkommen, den jede deutsche Vertriebsabteilung sofort einstellen würde. Er preist uns die Vorzüge von Arganöl, Arnikaöl, Amber und Kaktusfeigenkernöl in den höchsten Tönen an und wenn wir alles anwenden, werden wir auf jeden Fall jünger und gesünder. Wir können alles ausprobieren, duften danach nach Rose, Verbene, Orangenblüten, Eukalyptus und Amber. Aber vieles bekommt man bei uns zwar auch, aber teurer und die Geldbeutel leeren sich.

Weiter geht es im Getümmel der Medina, auf die Seite springen, da ein Händler mit Schubkarre durch will, oder ein beladenes Muli und rein in eine alte Weberei, die Teppiche, Decken, Schals und Stoffe in Handarbeit herstellt. Dieser Beruf stirbt, wie bei uns, auch hier langsam aus. Was für uns neu ist, dass Seide aus Agaven gewonnen und verarbeitet werden kann – also vegane Seide. Die Damenwelt ist entzückt angesichts der schönen Farben und Stoffe, und Geld wechselt den Besitzer.

Seide aus Agaven

Jetzt wollen wir nur noch raus aus dem Gewimmel, denn es wird immer voller. Vorbei an dem Gerberviertel mit dem typischen Geruch, kommen wir tatsächlich vollzählig wieder beim Bus an.

Gerberviertel

Während wir im Hotel Abendessen, kommt nochmal eine Reisegruppe an, die auch Essen will, aber es gibt keinen Platz mehr, was nicht gut ankommt. Wir haben es tatsächlich geschafft, ein paar Bierchen zu organisieren und lassen diesen eindrucksvollen Tag langsam ausklingen.

يوم زوين آخر سالى (Aussprache: Yom zwine akhor salā)

ⴰⵙⵙ ⵣⵓⵏ ⵢⴰⵏ ⵉⵎⵎⴰⵏ ⵢⴼⴽ (Aussprache ungefähr: Ass zoun yan imman yefk)

Une autre belle journée se termine

An saumäßig scheener Dag goht z‘end.


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