Die Nacht im Hotel in Marrakech war bei den meisten heute um 5:30 Uhr beendet. Plötzlich hatte man das Gefühl, dass gleich ein Flugzeug im Zimmer landet, denn das Hotel liegt in der Einflugschneise des Flughafens.
Es liegen heute min. 6 Std. Busfahrt vor uns, denn es geht in den Südosten über das Hochaltas Gebirge. Dieses Gebirge ist genauso alt wie unsere Alpen (60 Mio Jahre), hat 30 Berge mit mehr als 4000 m und der höchste Gipfel liegt bei 4176 m.
Wir sind bei Regen gestartet und je weiter wir uns nach oben schlängeln, desto besser wird die Sicht, die Sonne kommt raus und der Blick ist atemberaubend. Man fragt sich immer wieder, ist das Österreich oder Marokko ?


Die Bevölkerung in dieser Gegend besteht hauptsächlich aus Berbern, die sich selbst Imagzihen („freie Menschen“) nennen; sie sind keine einheitliche Gruppe, sondern bestehen aus zahlreichen Stämmen und Großfamilien. In dieser Gegend, weit vom irgendwo, gelangten sie zu hohem Reichtum, weil sie bei der Überquerung der Pässe Zoll verlangt haben. Mit der Unterstützung der Franzosen übernahmen sie die Verwaltung des Gebiets, was nach der Unabhängigkeit 1956 wieder aberkannt wurde.
Marokko ist das einzige Land, in dem der Arganbaum, auch Ziegenbaum genannt, zu Hause ist. Aus den Früchten wird hochwertiges kosmetisches Öl und Speiseöl gewonnen. Das Anbaugebiet umfasst 113.000 ha. Als vor 40 Jahren erkannt wurde, wie wertvoll und gesund dieses Öl ist, standen gleich Kosmetikkonzerne auf dem Plan, um die Herstellung zu Industrialisieren. Aber König Hassan II hat das glücklicherweise untersagt und mit Hilfe der GIZ wird das hochwertige und handgepresste Öl durch Kooperativen durch und für Frauen gefördert. Durch diese Kooperativen verdienen die Berberfrauen ihr eigenes Geld, werden finanziell unabhängig und fördern die Bildung ihrer Töchter. Abgerundet wird das durch die Vergabe von Mikrokrediten. Derzeit arbeiten 30.000 Frauen erfolgreich in 1.500 Kooperativen.


Wir machen bei einer Kooperative Halt und vor allem die Frauen decken sich mit verschiedenen Ölen ein. Und obwohl wir hier gefühlt im nirgendwo sind, klappt die Bezahlung per Kreditkarte problemlos.

Der nächste Stopp ist bei der Kasbah Air Ben Haddou nahe von Ouarzazate. Es ist ein Beispiel für einen befestigten Lehmziegelbau, der verschachtelt gebaut ist und auch UNESCO Weltkulturerbe ist. Dieser diente als Kulisse für Hollywoodfilme wie „Gladiator“ und „Game of Thrones“.


Wir haben heute von Regen, Sonne, Wind, Nebel, Kälte und Hitze wettertechnisch alles mitgenommen, was der Wettergott zu bieten hat. Nur geschneit hat es nicht, aber die höchsten Gipfel des Hohenatlas waren schneebedeckt. Unser Busfahrer Ismail fährt uns sicher über sie vielen Serpentinen und den 2260 hohen Pass hin und auch wieder zurück, was bei manchen engen Straßen und erstaunlich vielen Holländern mit Wohnmobilen und Wohnwägen gar nicht so ohne ist.

Ismail und Adil

Leider geraten wir auf dem Rückweg wieder in das Verkehrschaos in Marrakech und schaffen es gerade rechtzeitig zum Abendessen. Jetzt heisst es noch für den Flug einchecken, was aber mehrere Versuche benötigt, da die Technik ab und an streikt.
So, jetzt aber ab in die Heia, denn um 5:45 Uhr steht der Bus bereit und es heißt Abschied nehmen.
Unser vorletzter Tag in unserer Reise bricht an und es steht uns ein langer Bustag bevor, denn es geht ins 270 km entfernte Marrakech. Auf der gesamten Strecke säumen rechts und links riesige Felder und Plantagen die Route soweit das Auge reicht. So grün haben wir uns Nordmarokko nicht vorgestellt. Und der Kontrast zwischen einer sehr gut ausgebauten 4-6 spurigen Autobahn, die mit allen erdenklichen Automarken (ausser Tesla, wir haben auch keine Ladestationen gesehen) und modernen Rastanlagen befahren wird, und vielen Schafherden, Mulis und Bauern, die ihre Felder direkt daneben bearbeiten, ist schon krass. Überhaupt treffen hier Vergangenheit und Gegenwart direkt und überall sichtbar aufeinander.
In Marrakech angekommen fühlt man sich wie auf der A81 zwischen Böblingen-Hulb und Böblingen-Ost mit Baustellen und viel Verkehr. Und es scheint so, als ob alle 1,5 Mio Einwohner Besitzer eines Mopes oder Mofas sind. Damit wird jede noch so kleine Lücke genutzt, um schneller als alle anderen voran zu kommen.
Und in der Medina, die nur ca. 4000 Gassen hat, muss man schon wieder aufpassen, dass man nicht über den Haufen gefahren wird oder verloren geht. Aber unser Adil hat wieder einen Lumpensammler engagiert, der seine „Herde“ zusammen hält.
Wir bewundern die Koutoubia Moschee, eine der ältesten und größten Moscheen des Landes und die Platz für 25.000 Gläubige bietet. Sie stammt aus dem 12. Jahrhundert und wurde bei dem Erdbeben der Stärke 7,3 am 8.9.2023 schwer beschädigt. Dieses Erdbeben hat im ganzen Land große Schäden angerichtet und viele Menschenleben gekostet.
Es geht weiter zu den Saadier Gräbern, wo wir um ersten Mal anstehen müssen, um die vielen Gräber besichtigen zu können.

Dann besichtigen wir einige Räume des Bahia Palastes, der eine Fläche von 8000 m² und 160 Räume hat. Er wurde 1867 vom Großwesir Si Moussa in Auftrag gegeben und obwohl die Räume heute leer stehen, kann man sich die Pracht der einst hier lebenden Herrscher gut vorstellen. Der Palast ist auch UNESCO Weltkulturerbe und war u.a. Kulisse für Hollywood Filme, wie „Der Wüstenlöwe“ und „Lawrence von Arabien“.

Türenausstellung und Wandverziehrungen

Bahia Palast Decke Wohnraum
Der Garten Majorelle ist in mitten dieser lebendigen Stadt eine wohltuende Oase. Riesiger Bambus, Bananenstauden und Kakteen wachsen hier in mitten von blauen und gelben Farbtupfern. Dieser Garten mit Villa wurde 1926 von Jaques Majorelle angelegt und 1980 von Yves Saint Laurant und seinem Lebensgefährten vor dem Verfall gerettet und 2008 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.




Nachdem die Seele aufgetankt hat, geht es wieder ins Getümmel, nämlich zum Gauklermarkt. Früher war hier der Treffpunkt der Karawanen, jetzt Treffpunkt der Händler mit Garküchen, Obstständen, dressierten Berberaffen und Schlangenbeschwörern.

Als Abschluss geht es ins Dar Essalam, einem marokkanischen Lokal unter der Altstadt, in dem 1956 Szenen des Hitchcock Films „Der Mann, der zuviel wusste“ gedreht wurde. Es gibt ein Folkloreprogramm, leider Lautstärker verstärkt, aber trotzdem unterhaltsam und das Essen ist wieder sehr gut und reichlich. Wir haben ja heute keine Zeit zum Mittagessen gehabt, deswegen wird alles Ratzeputz leergegessen.



Da wir heute von 8-23 Uhr on Tour waren, sind jetzt alle fix und fertig und fallen müde in Bett. Sogar der abendliche Absacker fällt aus.
Schlaft gut und träumt von 1000 und 1 Nacht in Marrakech.

Heute haben wir eine Strecke von 300 km vor uns. Zuerst geht es nach Meknès, eine der 4 Königsstädte in Marroko, neben Rabat, Fés und Marrakesch. Die Altstadt ist auch hier UNESCO Weltkulturerbe und besitzt eine 45 km lange Stadtmauer. Die Medina ist nicht ganz so verwirrend wie die Medina in Fés, aber zum Verlaufen würde es auch reichen. Der ehemalige König Mulai Ismail (1625-1727) war ein großer Bewunderer des französischen Sonnenkönigs und wollte seinen Baustil in Marroko dem des Schlosses Versailles anpassen. Er galt als etwas größenwahnsinnig – Geschichte wiederholt sich immer wieder.

Angeblich hatte er in seinem Harem 500 Frauen und ca. 1000 Kinder und wollte unbedingt eine französische Prinzessin Ludwigs XIV als weitere Gemahlin, schickte wertvolle Geschenke als Brautwerbung nach Frankreich und bekam als Ablehnung vier barocke Standuhren geschenkt. Diese flankieren noch heute den Sarkophag im prachtvollen Mausoleum. Allerdings galt ab diesem Zeitpunkt das Verhältnis der beiden Länder als etwas frostig.
Es gibt wieder ein leckeres marrokanisches Mittagessen. Bei uns heißt es ja „Jedes Böhnchen ein Tönchen“, Adil sagt dazu „Ausatmen in die Hose“.
Dann geht es in die 146 km entfernte Hauptstadt Rabat und während der Fahrt bekommen wir von Adil viele Informationen über Flora und Fauna, Heimatkunde und Geschichte und uns wird immer mehr bewußt, wie bedeutend Marokko in der Vergangenheit und auch heute noch in der Welt ist.
Auf der Fahrt fällt uns auf, dass die Polizeipräsenz im ganzen Land auffallend groß ist, es werden überall Fahrzeugkontrollen durchgeführt und auch in den vielen und großen Kreisverkehren regelt die Security National den Verkehr.
Wie besuchen in Rabat das Mausoleum von Mohammed V, dem Großvater des heutigen Königs – das drittgrößte Mausoleum weltweit. Es ist nur mit den wertvollsten Materialien ausgestattet, so ist der Sarkophag aus weisem Onyx und die Decke mit Gold verziert. Die 4 Eingänge werden von der königlichen Garde bewacht, deren Kleidung und Gewehr uns aber eher an eine Szene aus Karl May’s „Der Shut“ erinnert.
In Rabat findet man Alt und Neu, Antike und Moderne eng beieinander. Die Moschee aus dem 12. Jahrhundert konkurriert mit modernen Bauten gleich nebenan.

Alt und Neu

Die neue Oper „Kobra“

Mausoleum innen

Mausoleum außen

Königliche Garde vor dem Mausoleum
Und was auch überall auf den Straßen und den großen Parkanlagen zu finden sind, sind Straßenkehrer, die mit Palmwedeln und Kutterschaufeln für Sauberkeit sorgen. Da wäre in Stuttgart derzeit auch Handlungbedarf.
Wir kommen in die Rush Hour und es dauert ewig raus aus der Stadt in Richtung Casablanca. Die größte Stadt Marrokos ist seit 1912 von 12.000 Einwohnern auf heute ca. 4 Mio Einwohner gewachsen und ist ein zentraler Industriestandort und mit dem Hafen auch ein weltweit bedeutender Warenumschlagplatz geworden.
Trotz 6 spuriger Autobahn sind wir spät dran, deswegen geht es gleich ins Hotel und zum Abendessen. Wir sind heute zig mal raus aus dem Bus und wieder rein in den Bus, haben in kurzer Zeit die wichtigsten Sehenswürdigkeiten besichtigt und viele Geschichtsdaten zu verarbeiten und deswegen bleibt nur ein kleines Grüppchen übrig, das im Nachbarhotel einen Schlaftrunk nehmen will. Der Rest muss erst mal Köper und Geist pflegen.
Casablanca – Schau mir in die Augen Kleines.
Heute geht es zuerst mit dem Bus zum Königspalast, der mit 83 ha riesig ist, und obwohl der König sehr selten hier wohnt und regiert, gibt es entlang der Palastmauer alle 20 m ein Wachhäuschen für die Soldaten, die den Palast bewachen.

Fès ist eine Stadt des Handwerks, der Religion und der Bildung. Hier entstand angeblich 859 die erste Universität der Welt. Und sie ist u.a. für ihre Keramiken berühmt. Es gibt eine Handwerkskammer, die eine Art Ausbildung für Keramiker anbietet und die besuchen wir. Der Beruf ist körperlich sehr anspruchsvoll und erfordert viel Geduld und Präzision. Wir dürfen bei einzelnen Arbeitsschritten zusehen und es wird uns erst jetzt bewußt, wie aufwendig die Mosaiken hergestellt werden, die überall in Marokko gegenwärtig sind.

Es gibt ein kleines Museum und natürlich einen Shop, in dem man sehr schöne Mosaiktische, Vasen, Teller und auch Brunnen kaufen kann. Mit dem Flieger wird es aber schwierig, das nach Deutschland zu transportieren, aber uns wird sofort mitgeteilt, dass ein Versand natürlich überhaupt kein Problem ist. Also ein kleines Tischen oder ein Brunnen würde schon in den ein oder anderen Garten passen.


Wir fahren mit dem Bus zu unserem nächsten Termin um 11:30 Uhr, die Mitwirkung in einem Gottesdienst. Und was wir dort erleben, ist etwas ganz anderes, als wir erwartet haben. Es ist nämlich ein evangelikaler Gottesdienst der Gemeinde aus Gabun, der eigentlich min. 2 Stunden dauert, von einem Chor und einer Band begleitet wird und sehr an einen Gospelgottesdienst aus den USA erinnert. Die Bibelverse werden vorgesungen und die ganze Gemeinde singt immer mal wieder mit. Damit das klappt, werden die Texte über einen Bildschirm angezeigt. Überhaupt wird alles gefilmt und wahrscheinlich gestreamt.

Mit viel Emotionen und Hingabe wird an die Geschichte und die Bedeutung des Osterfestes erinnert und wir sind teilweise etwas überfordert. Es ist sehr laut, der Raum im 4. Stock eines Wohnhauses platzt aus allen Nähten, es ist warm und stickig, es gibt ein ständiges Kommen und Gehen und alles in französischer Sprache. Nach einer Stunde haben wir die Gelegenheit unsere Art der Kirchenmusik darzubringen und der Kontrast könnte nicht größer sein. Die Überraschung ist auf beiden Seiten spürbar, aber trotzdem ist die Atmosphäre sehr herzlich. Dem ganzen Gottesdienst wohnen wir nicht bei, das ist einfach zu lang und unser Mittagessen wartet schon.

Medina
Es geht mit dem Bus zur Medina, wo wir in einem marokkanischen Restaurant schon erwartet werden. Es gibt als Vorspeise kleine Schälchen mit Avocados, Auberginenmus, Oliven, Süßkartoffeln, Schafskäse, Sellerie und Brot. Eigentlich kann man davon schon satt werden.

Marrokanische Vorspeisen
Als Hauptspreise kann man wählen zwischen Tajine und Pastilla, einer Teigpastete aus Filoteig, gefüllt mit Hühnchen, Gemüse, bestäubt mit Puderzucker und Zimt. Ungewöhnlich als Hauptspeise und sehr lecker. Abgerundet wird alles mit frischem Obst und marokkanischem Kaffee. Eigentlich wäre jetzt eine Siesta nicht schlecht, aber unser Adil möchte uns durch die Medina von Fès schleusen.

Ganz grober Medinaplan
Die Medina ist ein riesiges Labyrinth aus ca. 9000 engen Gassen, traditionellen Häusern und Märkten und UNESCO Weltkulturerbe. Um unsere Gruppe mit 45 Personen da durch zu führen, ist Verstärkung in Form einens Lumpensammler eingetroffen, der immer am Ende der Gruppe versucht keinen zu verlieren. Aber 10 % Schwund ist eigentlich normal und manch ein Reiseleiter hat schon eine Suchaktion starten müssen. Es gibt dann auch „hilfsbereite“ Marokkaner, die verirrte Touristen gerne gegen ein Trinkgeld wieder aus der Medina rausführen.
Wir schlängeln uns durch Menschenmassen vorbei an Stoffballen, Kleidung, Schmuckgeschäften, Sellou (eine Art Türkischer Honig), Schuhen, Souvenirs, Gemüse und vielem mehr, immer damit beschäftigt Adil nicht aus den Augen zu verlieren. Er will uns so viel wie möglich zeigen, biegt mal rechts, mal links ab, rein in einen Innenhof, Halt vor einer Moschee und rein in eine Art Parfümerie. Hier heißt uns ein Verkäufer willkommen, den jede deutsche Vertriebsabteilung sofort einstellen würde. Er preist uns die Vorzüge von Arganöl, Arnikaöl, Amber und Kaktusfeigenkernöl in den höchsten Tönen an und wenn wir alles anwenden, werden wir auf jeden Fall jünger und gesünder. Wir können alles ausprobieren, duften danach nach Rose, Verbene, Orangenblüten, Eukalyptus und Amber. Aber vieles bekommt man bei uns zwar auch, aber teurer und die Geldbeutel leeren sich.
Weiter geht es im Getümmel der Medina, auf die Seite springen, da ein Händler mit Schubkarre durch will, oder ein beladenes Muli und rein in eine alte Weberei, die Teppiche, Decken, Schals und Stoffe in Handarbeit herstellt. Dieser Beruf stirbt, wie bei uns, auch hier langsam aus. Was für uns neu ist, dass Seide aus Agaven gewonnen und verarbeitet werden kann – also vegane Seide. Die Damenwelt ist entzückt angesichts der schönen Farben und Stoffe, und Geld wechselt den Besitzer.

Seide aus Agaven

Jetzt wollen wir nur noch raus aus dem Gewimmel, denn es wird immer voller. Vorbei an dem Gerberviertel mit dem typischen Geruch, kommen wir tatsächlich vollzählig wieder beim Bus an.

Gerberviertel
Während wir im Hotel Abendessen, kommt nochmal eine Reisegruppe an, die auch Essen will, aber es gibt keinen Platz mehr, was nicht gut ankommt. Wir haben es tatsächlich geschafft, ein paar Bierchen zu organisieren und lassen diesen eindrucksvollen Tag langsam ausklingen.

يوم زوين آخر سالى (Aussprache: Yom zwine akhor salā)
ⴰⵙⵙ ⵣⵓⵏ ⵢⴰⵏ ⵉⵎⵎⴰⵏ ⵢⴼⴽ (Aussprache ungefähr: Ass zoun yan imman yefk)
Une autre belle journée se termine
An saumäßig scheener Dag goht z‘end.
Bevor es in Richtung Fès geht, besichtigen wir die „blaue“ Stadt Chefchaouen und es geht in verwinkelte Gässchen mit Händlern, kleinen Plätzen, vielen Sackgassen, verzierten Türen und verschiedenen Gerüchen. Fast alle Häuser sind in weiss / blau gestrichen und die Stadt gilt deswegen als immaterielles Kulturerbe der UNESCO.





Diese Stadt mit ihren 46.00 Einwohnern gilt als sehr gesunde Stadt, weil es keine Fastfood Restaurants und auch keine großen Supermärkte gibt. Zwei mal in der Woche gibt es einen Markt, auf dem die umliegenden Bauern ihre regionalen Produkte anbieten. Alles andere kann man in kleinen Läden und Ständen kaufen. Nach 3 Stunden per Fuß bergauf und bergab geht es jetzt in die 194 km entfernte Stadt Fès.
Auf dem Weg dorthin gibt uns Adil wieder viel Wissenswertes mit auf den Weg. Z.B. gibt es in dieser Gegend vermehrt Wildschweine und auch einige Weinanbaugebiete, was uns etwas verwundert, da das ja eigentlich nicht mit den islamischen Regeln zusammenpasst. Aber vom marokkanischen Königshaus wird ein sehr gemäßigter Islam vorgelebt und so leben auch alle 3 Weltregionen in diesem toleranten Land seit jeher friedlich zusammen.
Auf halber Strecke sehen wir im Nirgendwo einen großen Markt mit Zelten, einen Souk, auf dem die Bauern einmal die Woche ihre Produkte verkaufen. Aber dieser Markt ist auch ein wichtiger sozialer Treffpunkt. Hier werden Neuigkeiten ausgetauscht, Häuser und Grundstücke gehandelt, Waren getauscht, es gibt eine Post, wo auch Briefe hingeschickt werden können, einen Notar, einen Friseur und einen Zahnzieher.
Auf dem Weg zu unserem nächsten Ziel geht es vorbei an endlosen Olivenhainen, Orangenbäumen, Feldern mit Erbsen, Zwiebeln, Minze, und Weizen. An der Straße entlang (die mal 4 spurig und gut ausgebaut und mal voller Schlaglöcher und sehr schmal ist) sehen wir unzählige Schafherden, Esel, Mulis, wilde Hunde, Kühe, Dromedare und Störche. Unser Fahrer Ismail meistert die oft kurvige Strecke mit Bravour und schlängelt sich an sehr langsamen Lastern mit Gasflaschen vorbei, weicht waghalsigen Überholern aus und schleicht durch viele Baustellen. Und im Hintergrund geht es immer noch am Gebirge Rif und seinen Ausläufern entlang.

Einer von 150 großen Stauseen

Sehr hübsch, oder ?
Da Adil auch ein begeisterter Hobbykoch ist, gibt er sein Rezept für das traditionelle Gericht Tajine preis. Dieses Schmorgericht wird in einem Art Römertopf zubereitet, besteht u.a. aus Zwiebeln, Fleisch, speziellen Gewürzen und Gemüse. und gaaaanz wichtig – Zwiebeln immer ganz unten.

Wir haben teilweise seit dem Frühstück nur wenig gegessen und uns läuft das Wasser im Mund zusammen und der Magen knurrt. Als wir an einer Orangenplantage vorbeikommen, besorgt uns Adil ganz frische Orangen. Mhhh, lecker.
Nach mehr als 3 Stunden Busfahrt kommen wir endlich in Fès an. Leider liegt unser Hotel etwas außerhalb und man kann nicht einfach mal kurz ins Städtle reinlaufen. Die Zimmer sind quadratisch, praktisch, zweckmäßig und teilweise klein, aber trotzdem für 2 Übernachtungen ausreichend.
Das Abendessen ist wieder in Buffetform und wenig marrokanisch – abr d‘r Honger treibt’s nei. Ein netter Kellner fragt unvorsichtigerweise, ob wir noch einen Wunsch haben und die Antwort lautet einstimmig: ein Bier. Er beginnt zu lachen und erklärt sich bereit einen Freund mit einem Motorroller in dem nächsten Shop zu schicken, der auch Alkohol verkauft. Wir machen es uns draußen schon mal gemütlich und freuen uns schon auf ein kühles Helles, aber schon kommt der Kellner um die Ecke und muss uns beichten, dass der Shop leider schon geschlossen hat. Also verschieben wir das auf morgen. Ein paar Meter weiter ist ein ***** Sterne Hotel mit einer Bar und so wackeln einige doch noch dort hin und welche Überraschung, da sitzen schon einige aus unsere Gruppe. Mir Schwoba wisset ons halt emmer zom Helfa.

Marokkanisches Arabisch (Darija): بالصحة ونعس مزيان
Berberisch: ⵜⴰⵏⵎⵎⵉⵔⵜ ⴰⵙⵏⵓ ⵎⴰⵏ
Französisch: Santé et dors bien
Schwäbisch: Proscht ond schlofet guat
Nach einem Abschiedsständchen im Hotel, sind wir auf dem Weg von Sevilla nach Córdoba. Vorbei an riesigen Feldern, Störchen und sogar einem Sonnenkraftwerk. Barbara erzählt wieder viel von Land und Leuten und von dem berühmtesten Torero seiner Zeit – El Córdobes.
Damit unsere Gesundheit erhalten bleibt, gibt’s bei einer Rast einen Notfallschnaps bzw. -whiskey

und dann taucht schon Córdoba vor uns auf.

Es ist noch Zeit vor der Führung der Moschee-Kathedrale für einen Snack und um die netten Läden zu besuchen.
Dann werden wir von Miguel (oder Michael, in Deutschland geboren, jetzt aber in Córdoba zu Hause) empfangen und er präsentiert uns dieses einzigartige Nationaldenkmal seiner Heimat – die Mezquita-Catedral.
Diese Moschee, erbaut auf einer westgotischen Basilika, war nach der Erbauung ab 786 die Größte seiner Art in Europa und die zweitgrößte Moschee der Welt (nach Mekka) mit einer Fläche von 23.400 m². Und in die Moschee wurde 1263 nach der Eroberung durch die Christen, eine riesige Kathedrale gebaut. Von den ursprünglichen 1013 Säulen sind 113 dem Neubau zum Opfer gefallen. Die Kathedrale wurde innerhalb von 230 Jahren eingebaut und beherbergt ein Chorgestühl mit 119 Sitzen und 56 Grabkapellen. Und wir haben die Sondergenehmigung bekommen, in einer der Kapellen Singen zu dürfen. Es war eine ganz besonderer Atmosphäre, die alle Anwesenden sehr ergriffen hat.

Moschee

Moschee

Kathedrale
Miguel hat so viel Spannendes und Informatives über das UNESCO Weltkulturerbe zu erzählen, dass wir gar nicht wissen, wo man zuerst hinschauen soll. Einfach überwältigend. Eine riesige Kirche innerhalb einer noch größeren Moschee – auf der ganzen Welt einzigartig.
>>> Info Moschee_Kathedrale (PDF)

Danke Miguel für die tolle Führung
Nach einer Stunde Guggen und Staunen, geht es in die Altstadt mit seinen vielen Gässchen und Innenhöfen (auch Weltkulturerbe) und ohne Miguel würde man nur schwer wieder zurück finden. Es wird ja behauptet, dass 2% der Einwohner verirrte Besucher seien.
Je müder die Füße werden, desto geringer ist die Lust, nach der tollen Führung, die Freizeit zu nutzen, um noch einen Einkaufsbummel zu machen. Zumal die Geschäfte schon um 17 Uhr schließen, weil es heute auch in Córdoba wieder Prozessionen gibt und die Einheimischen schon in die Altstadt strömen. Also strömen wir raus in Richtung Bus und haben eine kurze Fahrt ins Hotel.
Zwar hat unser Speisesaal beim Abendessen den Charme und den Lärm einer Bahnhofshalle, aber das Essen ist reichlich, heiß und ganz gut. Und da wir eine große Gruppe sind, bleibt die Hotelbar kurzerhand geschlossen und die Getränke könnten im Speisesaal geordert werden.

Aber es war wieder ein langer und beeindruckender Tag und so verschwinden doch viele relativ früh auf ihren Zimmern.
¡Buenas noches! ¡Dulces sueños!
PS.: Eigentlich trinkt man hier Wein erst nach 12 Uhr, ausser bei Beerdigungen, denn da ist Wein schon vorher erlaubt. Vielleicht sind deswegen Trauergäste zahlreich vertreten nach dem Motto: Trink vor 12 Uhr den Wein, denn du könntest der Nächste sein.
PSS.: Die vielen Innenhöfen sind oft sehr klein und so werden die Blumentöpfe platzsparend an den Wänden befestigt. Sieht toll und bunt aus, ist aber für die Frauen umständlich zum Gießen und das Gießwasser tropft den Männern auf den Kopf. Deswegen dürfen diese während des Gießens in die Bodega gehen. Es stellt sich jetzt nur die Frage, ob es deswegen immer mehr Wandtöpfe gibt, damit die Männer möglichst lange fortbleiben dürfen oder möglichst lange fortbleiben sollen.
