April 2026

07.04.26: Marrakech – Paläste, Gärten & Souks

Unser vorletzter Tag in unserer Reise bricht an und es steht uns ein langer Bustag bevor, denn es geht ins 270 km entfernte Marrakech. Auf der gesamten Strecke säumen rechts und links riesige Felder und Plantagen die Route soweit das Auge reicht. So grün haben wir uns Nordmarokko nicht vorgestellt. Und der Kontrast zwischen einer sehr gut ausgebauten  4-6 spurigen Autobahn, die mit allen erdenklichen Automarken (ausser Tesla, wir haben auch keine Ladestationen gesehen) und modernen Rastanlagen befahren wird, und vielen Schafherden, Mulis und Bauern, die ihre Felder direkt daneben bearbeiten, ist schon krass. Überhaupt treffen hier Vergangenheit und Gegenwart direkt und überall sichtbar aufeinander.

In Marrakech angekommen fühlt man sich wie auf der A81 zwischen Böblingen-Hulb und Böblingen-Ost mit Baustellen und viel Verkehr. Und es scheint so, als ob alle 1,5 Mio Einwohner Besitzer eines Mopes oder Mofas sind. Damit wird jede noch so kleine Lücke genutzt, um schneller als alle anderen voran zu kommen.

Und in der Medina, die nur ca. 4000 Gassen hat, muss man schon wieder aufpassen, dass man nicht über den Haufen gefahren wird oder verloren geht. Aber unser Adil hat wieder einen Lumpensammler engagiert, der seine „Herde“ zusammen hält.

Wir bewundern die Koutoubia Moschee, eine der ältesten und größten Moscheen des Landes und die Platz für 25.000 Gläubige bietet. Sie stammt aus dem 12. Jahrhundert und wurde bei dem Erdbeben der Stärke 7,3 am 8.9.2023 schwer beschädigt. Dieses Erdbeben hat im ganzen Land große Schäden angerichtet und viele Menschenleben gekostet.

Es geht weiter zu den Saadier Gräbern, wo wir um ersten Mal anstehen müssen, um die vielen Gräber besichtigen zu können.

Dann besichtigen wir einige Räume des Bahia Palastes, der eine Fläche von 8000 m² und 160 Räume hat. Er wurde 1867 vom Großwesir Si Moussa in Auftrag gegeben und obwohl die Räume heute leer stehen, kann man sich die Pracht der einst hier lebenden Herrscher gut vorstellen. Der Palast ist auch UNESCO Weltkulturerbe und war u.a. Kulisse für Hollywood Filme, wie „Der Wüstenlöwe“ und „Lawrence von Arabien“.

Türenausstellung und Wandverziehrungen

Bahia Palast Decke Wohnraum

Der Garten Majorelle ist in mitten dieser lebendigen Stadt eine wohltuende Oase. Riesiger Bambus, Bananenstauden und Kakteen wachsen hier in mitten von blauen und gelben Farbtupfern. Dieser Garten mit Villa wurde 1926  von Jaques Majorelle angelegt und 1980 von Yves Saint Laurant und seinem Lebensgefährten vor dem Verfall gerettet und 2008 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Nachdem die Seele aufgetankt hat, geht es wieder ins Getümmel, nämlich zum Gauklermarkt. Früher war hier der Treffpunkt der Karawanen, jetzt Treffpunkt der Händler mit Garküchen, Obstständen, dressierten Berberaffen und Schlangenbeschwörern.

Als Abschluss geht es ins Dar Essalam, einem marokkanischen Lokal unter der Altstadt, in dem 1956 Szenen des Hitchcock Films „Der Mann, der zuviel wusste“ gedreht wurde. Es gibt ein Folkloreprogramm, leider Lautstärker verstärkt, aber trotzdem unterhaltsam und das Essen ist wieder sehr gut und reichlich. Wir haben ja heute keine Zeit zum Mittagessen gehabt, deswegen wird alles Ratzeputz leergegessen.

Da wir heute von 8-23 Uhr on Tour waren, sind jetzt alle fix und fertig und fallen müde in Bett. Sogar der abendliche Absacker fällt aus.

Schlaft gut und träumt von 1000 und 1 Nacht in Marrakech.


06.04.26: Über Land – Von Fès nach Casablanca

Heute haben wir eine Strecke von 300 km vor uns. Zuerst geht es nach Meknès, eine der 4 Königsstädte in Marroko, neben Rabat, Fés und Marrakesch. Die Altstadt ist auch hier UNESCO Weltkulturerbe und besitzt eine 45 km lange Stadtmauer. Die Medina ist nicht ganz so verwirrend wie die Medina in Fés, aber zum Verlaufen würde es auch reichen. Der ehemalige König Mulai Ismail (1625-1727) war ein großer Bewunderer des französischen Sonnenkönigs und wollte seinen Baustil in Marroko dem des Schlosses Versailles anpassen. Er galt als etwas größenwahnsinnig – Geschichte wiederholt sich immer wieder.

Angeblich hatte er in seinem Harem 500 Frauen und ca. 1000 Kinder und wollte unbedingt eine französische Prinzessin Ludwigs XIV als weitere Gemahlin, schickte wertvolle Geschenke als Brautwerbung nach Frankreich und bekam als Ablehnung vier barocke Standuhren geschenkt. Diese flankieren noch heute den Sarkophag im prachtvollen  Mausoleum. Allerdings galt ab diesem Zeitpunkt das Verhältnis der beiden Länder als etwas frostig.

Es gibt wieder ein leckeres marrokanisches Mittagessen. Bei uns heißt es ja „Jedes Böhnchen ein Tönchen“, Adil sagt dazu „Ausatmen in die Hose“.

Dann geht es in die 146 km entfernte Hauptstadt Rabat und während der Fahrt bekommen wir von Adil viele Informationen über Flora und Fauna, Heimatkunde und Geschichte und uns wird immer mehr bewußt, wie bedeutend Marokko in der Vergangenheit und auch heute noch in der Welt ist.

Auf der Fahrt fällt uns auf, dass die Polizeipräsenz im ganzen Land auffallend groß ist, es werden überall Fahrzeugkontrollen durchgeführt und auch in den vielen und großen Kreisverkehren regelt die Security National den Verkehr.

Wie besuchen in Rabat das Mausoleum von Mohammed V, dem Großvater des heutigen Königs – das drittgrößte Mausoleum weltweit.  Es ist nur mit den wertvollsten Materialien ausgestattet, so ist der Sarkophag aus weisem Onyx und die Decke mit Gold verziert. Die 4 Eingänge werden von der königlichen Garde bewacht, deren Kleidung und Gewehr uns aber eher an eine Szene aus Karl May’s „Der Shut“ erinnert.

In Rabat findet man Alt und Neu, Antike und Moderne eng beieinander. Die Moschee aus dem 12. Jahrhundert konkurriert mit modernen Bauten gleich nebenan.

Alt und Neu

Die neue Oper „Kobra“

Mausoleum innen

Mausoleum außen

Königliche Garde vor dem Mausoleum

Und was auch überall auf den Straßen und den großen Parkanlagen zu finden sind, sind Straßenkehrer, die mit Palmwedeln und Kutterschaufeln für Sauberkeit sorgen. Da wäre in Stuttgart derzeit auch Handlungbedarf.

Wir kommen in die Rush Hour und es dauert ewig raus aus der Stadt in Richtung Casablanca. Die größte Stadt Marrokos ist seit 1912 von 12.000 Einwohnern auf heute ca. 4 Mio Einwohner gewachsen und ist ein zentraler Industriestandort und mit dem Hafen auch ein weltweit bedeutender Warenumschlagplatz geworden.

Trotz 6 spuriger Autobahn sind wir spät dran, deswegen geht es gleich ins Hotel und zum Abendessen. Wir sind heute zig mal raus aus dem Bus und wieder rein in den Bus, haben in kurzer Zeit die wichtigsten Sehenswürdigkeiten besichtigt und viele Geschichtsdaten zu verarbeiten und deswegen bleibt nur ein kleines Grüppchen übrig, das im Nachbarhotel einen Schlaftrunk nehmen will. Der Rest muss erst mal Köper und Geist pflegen.

Casablanca – Schau mir in die Augen Kleines.

 


30.03.26: Córdoba – Zwischen Moschee und Patios

Nach einem Abschiedsständchen im Hotel, sind wir auf dem Weg von Sevilla nach Córdoba. Vorbei an riesigen Feldern, Störchen und sogar einem Sonnenkraftwerk. Barbara erzählt wieder viel von Land und Leuten und von dem berühmtesten Torero seiner Zeit – El Córdobes.

Damit unsere Gesundheit erhalten bleibt, gibt’s bei einer Rast einen Notfallschnaps bzw. -whiskey

und dann taucht schon Córdoba vor uns auf.

Es ist noch Zeit vor der Führung der Moschee-Kathedrale für einen Snack und um die netten Läden zu besuchen.

Dann werden wir von Miguel (oder Michael, in Deutschland geboren, jetzt aber in Córdoba zu Hause) empfangen und er präsentiert uns dieses einzigartige Nationaldenkmal seiner Heimat – die Mezquita-Catedral.

Diese Moschee, erbaut auf einer westgotischen Basilika, war nach der Erbauung ab 786 die Größte seiner Art in Europa und die zweitgrößte Moschee der Welt (nach Mekka) mit einer Fläche von 23.400 m². Und in die Moschee wurde 1263 nach der Eroberung durch die Christen, eine riesige Kathedrale gebaut. Von den ursprünglichen 1013 Säulen sind 113 dem Neubau zum Opfer gefallen. Die Kathedrale wurde innerhalb von 230 Jahren eingebaut und beherbergt ein Chorgestühl mit 119 Sitzen und 56 Grabkapellen. Und wir haben die Sondergenehmigung bekommen, in einer der Kapellen Singen zu dürfen. Es war eine ganz besonderer Atmosphäre, die alle Anwesenden sehr ergriffen hat.

Moschee

Moschee

Kathedrale

Miguel hat so viel Spannendes und Informatives über das UNESCO Weltkulturerbe zu erzählen, dass wir gar nicht wissen, wo man zuerst hinschauen soll. Einfach überwältigend. Eine riesige Kirche innerhalb einer noch größeren Moschee – auf der ganzen Welt einzigartig.

>>> Info Moschee_Kathedrale (PDF)

Danke Miguel für die tolle Führung

Nach einer Stunde Guggen und Staunen, geht es in die Altstadt mit seinen vielen Gässchen und Innenhöfen (auch Weltkulturerbe) und ohne Miguel würde man nur schwer wieder zurück finden. Es wird ja behauptet, dass 2% der Einwohner verirrte Besucher seien.

Je müder die Füße werden, desto geringer ist die Lust, nach der tollen Führung, die Freizeit zu nutzen, um noch einen Einkaufsbummel zu machen. Zumal die Geschäfte schon um 17 Uhr schließen, weil es heute auch in Córdoba wieder Prozessionen gibt und die Einheimischen schon in die Altstadt strömen. Also strömen wir raus in Richtung Bus und haben eine kurze Fahrt ins Hotel.

Zwar hat unser Speisesaal beim Abendessen den Charme und den Lärm einer Bahnhofshalle, aber das Essen ist reichlich, heiß und ganz gut. Und da wir eine große Gruppe sind, bleibt die Hotelbar kurzerhand geschlossen und die Getränke könnten im Speisesaal geordert werden.

Aber es war wieder ein langer und beeindruckender Tag und so verschwinden doch viele relativ früh auf ihren Zimmern.

¡Buenas noches! ¡Dulces sueños!

PS.: Eigentlich trinkt man hier Wein erst nach 12 Uhr, ausser bei Beerdigungen, denn da ist Wein schon vorher erlaubt. Vielleicht sind deswegen Trauergäste zahlreich vertreten nach dem Motto: Trink vor 12 Uhr den Wein, denn du könntest der Nächste sein.

PSS.: Die vielen Innenhöfen sind oft sehr klein und so werden die Blumentöpfe platzsparend an den Wänden befestigt. Sieht toll und bunt aus, ist aber für die Frauen umständlich zum Gießen und das Gießwasser tropft den Männern auf den Kopf. Deswegen dürfen diese während des Gießens in die Bodega gehen. Es stellt sich jetzt nur die Frage, ob es deswegen immer mehr Wandtöpfe gibt, damit die Männer möglichst lange fortbleiben dürfen oder möglichst lange fortbleiben sollen.


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