Heute heißt es wieder Kofferpacken und mit den gläsernen Aussenaufzügen runter in die Lobby. Zum einen darf man da keine Höhenangst haben und zum anderen sind es keine intelligenten Aufzüge. Denn da ja fast 46 Personen gleichzeitig mit ihren Koffern nach unten wollen, es aber noch andere Hotelgäste gibt, die zum Frühstück oder in ihre Zimmer wollen, kommen die bereits vollen Kabinen mehrmals in den einzelnen Stockwerken vorbei. Aber nach ca. 7 Min. Wartezeit, kommen auch die Letzten vom 7. Stock unten an. Es gibt wieder ein Abschiedsständchen und dann geht es hinauf zur Alhambra.

Es warten schon unsere Führer Maria und Manuel, die uns die nächsten 3 Stunden mit Geschichte und Kultur begeistern.
Barbara liest uns eine kurze Einführung in die Alhambra vor, die uns auf dieses prächtige Wahrzeichen einstimmt.
Wir besichtigen zuerst die Gärten Generalife mit der ehemaligen Sommerresidenz der Sultane und dann den Renainssancepalast von Karl V, der eigentlich besser nach Italien passen würde.

Marias Gruppe im Renainssancepalast
Und dann geht es in die Nasriden Paläste, wo wir aus dem Staunen angesichts die Ausstattung nicht mehr herauskommen.


Es gibt keinen Sieger, ausserAllah
Natürlich benötigt man da zwischendurch mal eine Harmoniepause und zum ersten Mal auf all unseren Reisen gibt es eine Schlange vor der Männertoilette.
Die ganzen Eindrücke dieser prächtigen Anlage werden noch lange bei uns nachklingen und wir machen uns auf dem Weg über Málaga nach Algeciras.

Die Fahrt dauert 3,5 Stunden und dazwischen brauchen wir auch mal eine Pause, um uns zu stärken. Also ab in eine Autobahnraststätte und es wie der Zufall will, liegt sie genau gegenüber der Raststätte, die wir auf dem Weg nach Granada am 31.03. schon besucht haben. Und sie hat den gleichen Bahnhofscharme, aber das Essen ist überraschender Weise gar nicht so schlecht. Trotzdem müssen wir was für unser Wohlbefinden tun und ein Notfallgetränk wird ausgegeben.
Auf dem Weg gibt Barbara wieder viel Wissen über die jeweilige Umgebung und Gibraltar an uns weiter, wir fahren in Malaga an endlosen Ferienunterkünften vorbei und kommen dann in Algecira im Hotel an.
Während des Abendessens kommen 2 Ehepaare zu uns und schauen sich suchend um. Es stellt sich heraus, dass es Kollegen und Freunde aus Holzgerlingen sind, die von unserer Reise erfahren haben, das Ehepaar Sünder, Clemens König und Sigi Schneider gut kennen und einen kurzen Besuch abstatten wollen. Sie kommen seit 40 Jahre nach Algecira und sind derzeit auf Urlaub hier. So klein ist die Welt. Da müssen wir doch gleich ein Ständchen singen. Einige werden noch auf ein Gläschen in die Bar eingeladen, aber es war wieder ein toller und langer Tag und viele hören ihr Bett rufen.
Nuestro último día en Europa, mañana nos vamos a África.
Buenas noches y que duerman bien.
Da man sich einfach nicht alles merken, geschwiegen denn wiedergeben kann, hier eine kurze Beschreibung der Alhambra (mit KI Unterstützung ;-):
Die Alhambra ist eine der bedeutendsten historischen Anlagen Europas und ein herausragendes Beispiel islamischer Architektur in Spanien. Sie liegt auf dem Sabikah-Hügel oberhalb der Stadt Granada und überblickt das Tal des Flusses Darro.
Die heutige Anlage entstand überwiegend im 13. und 14. Jahrhundert unter der Nasriden-Dynastie, der letzten muslimischen Herrscherfamilie auf der Iberischen Halbinsel. Nach der christlichen Rückeroberung Granadas im Jahr 1492 wurde die Alhambra von den katholischen Königen weiter genutzt und teilweise umgebaut.Sie ist eines der bedeutendsten Beispiele maurischer Architektur in Europa.

Besonders beeindruckend sind die Nasridenpaläste, die aus mehreren miteinander verbundenen Bereichen bestehen, die sich um Innenhöfe gruppieren:
•Mexuar: Der älteste Teil, genutzt für Verwaltung und Audienzen
•Comares-Palast: Offizieller Regierungssitz mit dem berühmten Myrtenhof und dem Thronsaal
•Löwenpalast: Privater Wohnbereich der Herrscher mit dem ikonischen Löwenhof (Patio de los Leones)

Die Nasridenpaläste sind berühmt für ihre außergewöhnlich feine Dekoration:
•Stuckverzierungen mit komplexen geometrischen Mustern
•Arabische Inschriften, oft mit poetischen Texten und religiösen Zitaten
•Muqarnas-Gewölbe (tropfsteinartige Decken), besonders eindrucksvoll im Löwenpalast
•Keramikfliesen (Azulejos) mit präzisen Ornamenten

Ein zentrales Element ist Wasser: Spiegelbecken, Brunnen und Kanäle sorgen nicht nur für Kühlung, sondern verstärken auch die symmetrische Ästhetik.
Die angrenzenden Gärten des Generalife dienten einst als Rückzugsort der Herrscher und laden heute mit Wasserläufen und schattigen Wegen zum Verweilen ein.

Heute ist ein busfreier Tag und somit besteht die Möglichkeit Granada zu Fuß zu erkunden. Entweder schließt man sich Barbara an, die mit Hilfe der Audiogeräte einer ganzen Gruppe die Stadt und ihre Sehenswürdigkeiten erklärt oder man kann auf eigene Faust losziehen und alles besuchen, was für einen sehenswert und interessant ist.

Wasserträger und sein Esel

Kathedrale
Heute früh ist es noch etwas schattig (5 º C) und entsprechend ist die Innenstadt noch menschenleer und auch mit vielen Personen bequem zu erlaufen. Nach dem „offiziellen“ Teil schwärmen die Teilnehmer aus, kaufen Parfüm mit dem typischen Orangenblütenduft (Barbara kennt hier einfach die besten Einkaufsmöglichkeiten), Schmuck, Mitbringsel, Gewürze und Tee. Einigen machen sich zu Fuß auf, das älteste Stadtviertel Albaicin über endlose Stufen zu erklimmen (das ist man doch von Stuttgart gewöhnt, oder nicht?). Und oh Wunder, oben etwas außer Puste angekommen, sitzen doch schon einige dort in einem Lokal und genießen den tollen Ausblick auf die Stadt. Tja, öffentliche Busse machen es möglich.

Am späten Nachmittag trifft man sich im 8. Stock unseres Hotel auf dem Rooftop und genehmigt sich bei Sonne und 23 º C (kein Aprilscherz) noch einen Kaffee, ein Bier oder einen Sangria, bevor es zum Abendessen geht.

Panoramablick vom Rooftop unseres Hotels
Und nachdem wir ja gestern schon Teile der Prozession gesehen haben und wir den ganzen Tag auf den Beinen sind, hat heute Abend keiner mehr Lust sich ins Getümmel zu stützen. Lieber noch in den 8. Stock rauf und einen Absacker mit dem schönen Blick auf Granada genießen.
¡Buenas noches, que descanses!
Da diese Karwoche mit den Prozessionen in Spanien so ein besonderes Ereignis ist, hier ausnahmsweise mal etwas detailliertere Informationen (KI unterstützt):
Die Prozessionen der Karwoche in Granada
Jedes Jahr verwandelt sich Granada während der Semana Santa in eine Bühne für tief verwurzelte Traditionen. Zahlreiche Bruderschaften (spanisch: cofradías) ziehen in feierlichen Prozessionen durch die historischen Straßen der Stadt.
Die Prozessionen sind geprägt von:
- Schweigenden Menschenmengen und einer ehrfürchtigen Stimmung
- Kerzenlicht, das die engen Gassen beleuchtet
- Trommeln und Blasmusik, die einen feierlichen Rhythmus vorgeben
- Weihrauch, der die Luft erfüllt
Im Zentrum jeder Prozession stehen die sogenannten Pasos – reich verzierte Plattformen mit religiösen Figuren, die Szenen aus dem Leiden Christi oder der Jungfrau Maria darstellen. Diese werden von Trägern (costaleros) durch die Stadt getragen.
Viele dieser Figuren sind kunsthistorisch wertvoll und stammen aus verschiedenen Epochen.
An den Prozessionen nehmen verschiedene Gruppen teil:
- Nazarenos: Büßer mit langen Gewändern und spitzen Kapuzen (Schwarz, weiss, lila)
- Costaleros: Träger der schweren Pasos
- Musikkapellen: Begleiten die Umzüge mit traditionellen Märschen
Die spitzen Kapuzen erinnern optisch an andere Kontexte, haben hier jedoch eine jahrhundertealte religiöse Bedeutung.
Jeder Tag hat seine eigenen Prozessionen, doch besonders hervorzuheben sind:
- Gründonnerstag: Eine der intensivsten Nächte mit mehreren großen Umzügen
- Karfreitag: Gedenktag der Kreuzigung – besonders feierlich und emotional
- Ostersonntag: Feier der Auferstehung mit deutlich freudigerer Stimmung
Eine einzige Prozession kann mehrere Stunden dauern – und wer sie komplett sehen möchte, braucht Geduld. Doch genau diese Langsamkeit macht den Zauber der Karwoche in Granada aus und ist weit mehr als ein religiöses Ereignis – sie ist ein emotionales Erlebnis, das tief in der Identität der Stadt verwurzelt ist. Wer diese Tage miterlebt, erhält einen einzigartigen Einblick in die andalusische Kultur.

Dieses Paso der Jungfrau Maria wird von 30 Costaleros getragen.
Vor der Abfahrt nach Granada, singen wir im Hotel noch unser obligatorisches Abschiedsständchen, aber beim Zottelmarsch haben sich die Bässe irgendwie verlaufen und das Arrangement wird plötzlich etwas moderner. Ob die Zuhörer das bemerkt haben ? Oder sie dachten „des ghört so“.
Wir fahren an unendlichen Olivenplantagen vorbei, mit Bäumen von jung bis uralt. Die Landschaft wird langsam hügeliger und die Sierra Nevada mit dem höchsten Berg Mulhacén (3479 m) kommt immer näher.

Wir machen in dem kleinen Örtchen Luque eine Pause, denn dort gibt es einen Laden mit allerlei Produkten aus Oliven, einem köstlichen frisch gepressten Orangensaft und allerlei Ess- und Trinkbarem. Und einem urigen Museum mit alten Ackergeräten und Geräten zur Olivenölgewinnung. Unser Busfahrer Juan Carlos hat den Schlüssel besorgt und macht eine kleine Führung. Außerdem ist das Gebäude der alte stillgelegte Bahnhof und zwei alte Waggons stehen als Eventlocation zur Verfügung. Die stillgelegten Gleise werden heute als Rad- und Wanderwege genutzt.


Über einen Stopp in einer Autobahnraststätte, die bestimmt keiner von uns mehr besuchen will/wird, geht es nach Granada. Und Barbara meint ganz trocken, dass wir ja derzeit Kälte gewohnt wären und uns die Höhe von 700 m deswegen nix ausmachen würde.
Kaum im Hotel eingecheckt, geht es zu Fuß zu einer Flamencovorführung und jetzt wird es abenteuerlich. Denn auch in Granada gibt es täglich eine Prozession in der Innenstadt, Straßen werden schon gesperrt und es grenzt an ein kleines Wunder, dass unsere Gruppe geschlossen durch die Menschenmassen zu dem kleinen Theater kommt, ohne das jemand verloren geht.
Die Vorführung ist wieder ein absolutes Highlight. Es ist eine Flamencoschule, die den traditionellen Tanz und Gesang pflegt. Die Gruppe besteht aus einem Gitarristen, einem Sänger, einem Tänzer und einer Tänzerin. Und diese Künstler sind eine solche Einheit, dass man versteht, warum Flamenco mehr als nur Musik ist, sondern ein Lebensgefühl verkörpert. Es war sehen- und hörenswert.


Alle machen sich um 19 Uhr durch das Gewimmel auf den Weg zurück ins Hotel, aber einige sehen sich die Prozession noch genauer an und wollen noch etwas Trinken und merken zu spät, dass die Prozzesion einen Schlenker retour macht, und der Rückweg versperrt ist. Es ist kein Durchkommen mehr möglich, so kehren die genervten und müden Heimkehrer mit 2 Stunden Verspätung ins Hotel zurück. Ein sehr netter Kellner sorgt dafür, dass das Essen nochmal aufgewärmt und exklusiv auf‘s Zimmer serviert wird.
Un día emocionante está llegando a su fin – buenas noches.
PS.: Hatte nicht jemand von Kälte gesprochen ? Wir hatten heute 27 º C.