Die Nacht im Hotel in Marrakech war bei den meisten heute um 5:30 Uhr beendet. Plötzlich hatte man das Gefühl, dass gleich ein Flugzeug im Zimmer landet, denn das Hotel liegt in der Einflugschneise des Flughafens.
Es liegen heute min. 6 Std. Busfahrt vor uns, denn es geht in den Südosten über das Hochaltas Gebirge. Dieses Gebirge ist genauso alt wie unsere Alpen (60 Mio Jahre), hat 30 Berge mit mehr als 4000 m und der höchste Gipfel liegt bei 4176 m.
Wir sind bei Regen gestartet und je weiter wir uns nach oben schlängeln, desto besser wird die Sicht, die Sonne kommt raus und der Blick ist atemberaubend. Man fragt sich immer wieder, ist das Österreich oder Marokko ?


Die Bevölkerung in dieser Gegend besteht hauptsächlich aus Berbern, die sich selbst Imagzihen („freie Menschen“) nennen; sie sind keine einheitliche Gruppe, sondern bestehen aus zahlreichen Stämmen und Großfamilien. In dieser Gegend, weit vom irgendwo, gelangten sie zu hohem Reichtum, weil sie bei der Überquerung der Pässe Zoll verlangt haben. Mit der Unterstützung der Franzosen übernahmen sie die Verwaltung des Gebiets, was nach der Unabhängigkeit 1956 wieder aberkannt wurde.
Marokko ist das einzige Land, in dem der Arganbaum, auch Ziegenbaum genannt, zu Hause ist. Aus den Früchten wird hochwertiges kosmetisches Öl und Speiseöl gewonnen. Das Anbaugebiet umfasst 113.000 ha. Als vor 40 Jahren erkannt wurde, wie wertvoll und gesund dieses Öl ist, standen gleich Kosmetikkonzerne auf dem Plan, um die Herstellung zu Industrialisieren. Aber König Hassan II hat das glücklicherweise untersagt und mit Hilfe der GIZ wird das hochwertige und handgepresste Öl durch Kooperativen durch und für Frauen gefördert. Durch diese Kooperativen verdienen die Berberfrauen ihr eigenes Geld, werden finanziell unabhängig und fördern die Bildung ihrer Töchter. Abgerundet wird das durch die Vergabe von Mikrokrediten. Derzeit arbeiten 30.000 Frauen erfolgreich in 1.500 Kooperativen.


Wir machen bei einer Kooperative Halt und vor allem die Frauen decken sich mit verschiedenen Ölen ein. Und obwohl wir hier gefühlt im nirgendwo sind, klappt die Bezahlung per Kreditkarte problemlos.

Der nächste Stopp ist bei der Kasbah Air Ben Haddou nahe von Ouarzazate. Es ist ein Beispiel für einen befestigten Lehmziegelbau, der verschachtelt gebaut ist und auch UNESCO Weltkulturerbe ist. Dieser diente als Kulisse für Hollywoodfilme wie „Gladiator“ und „Game of Thrones“.


Wir haben heute von Regen, Sonne, Wind, Nebel, Kälte und Hitze wettertechnisch alles mitgenommen, was der Wettergott zu bieten hat. Nur geschneit hat es nicht, aber die höchsten Gipfel des Hohenatlas waren schneebedeckt. Unser Busfahrer Ismail fährt uns sicher über sie vielen Serpentinen und den 2260 hohen Pass hin und auch wieder zurück, was bei manchen engen Straßen und erstaunlich vielen Holländern mit Wohnmobilen und Wohnwägen gar nicht so ohne ist.

Ismail und Adil

Leider geraten wir auf dem Rückweg wieder in das Verkehrschaos in Marrakech und schaffen es gerade rechtzeitig zum Abendessen. Jetzt heisst es noch für den Flug einchecken, was aber mehrere Versuche benötigt, da die Technik ab und an streikt.
So, jetzt aber ab in die Heia, denn um 5:45 Uhr steht der Bus bereit und es heißt Abschied nehmen.
Unser vorletzter Tag in unserer Reise bricht an und es steht uns ein langer Bustag bevor, denn es geht ins 270 km entfernte Marrakech. Auf der gesamten Strecke säumen rechts und links riesige Felder und Plantagen die Route soweit das Auge reicht. So grün haben wir uns Nordmarokko nicht vorgestellt. Und der Kontrast zwischen einer sehr gut ausgebauten 4-6 spurigen Autobahn, die mit allen erdenklichen Automarken (ausser Tesla, wir haben auch keine Ladestationen gesehen) und modernen Rastanlagen befahren wird, und vielen Schafherden, Mulis und Bauern, die ihre Felder direkt daneben bearbeiten, ist schon krass. Überhaupt treffen hier Vergangenheit und Gegenwart direkt und überall sichtbar aufeinander.
In Marrakech angekommen fühlt man sich wie auf der A81 zwischen Böblingen-Hulb und Böblingen-Ost mit Baustellen und viel Verkehr. Und es scheint so, als ob alle 1,5 Mio Einwohner Besitzer eines Mopes oder Mofas sind. Damit wird jede noch so kleine Lücke genutzt, um schneller als alle anderen voran zu kommen.
Und in der Medina, die nur ca. 4000 Gassen hat, muss man schon wieder aufpassen, dass man nicht über den Haufen gefahren wird oder verloren geht. Aber unser Adil hat wieder einen Lumpensammler engagiert, der seine „Herde“ zusammen hält.
Wir bewundern die Koutoubia Moschee, eine der ältesten und größten Moscheen des Landes und die Platz für 25.000 Gläubige bietet. Sie stammt aus dem 12. Jahrhundert und wurde bei dem Erdbeben der Stärke 7,3 am 8.9.2023 schwer beschädigt. Dieses Erdbeben hat im ganzen Land große Schäden angerichtet und viele Menschenleben gekostet.
Es geht weiter zu den Saadier Gräbern, wo wir um ersten Mal anstehen müssen, um die vielen Gräber besichtigen zu können.

Dann besichtigen wir einige Räume des Bahia Palastes, der eine Fläche von 8000 m² und 160 Räume hat. Er wurde 1867 vom Großwesir Si Moussa in Auftrag gegeben und obwohl die Räume heute leer stehen, kann man sich die Pracht der einst hier lebenden Herrscher gut vorstellen. Der Palast ist auch UNESCO Weltkulturerbe und war u.a. Kulisse für Hollywood Filme, wie „Der Wüstenlöwe“ und „Lawrence von Arabien“.

Türenausstellung und Wandverziehrungen

Bahia Palast Decke Wohnraum
Der Garten Majorelle ist in mitten dieser lebendigen Stadt eine wohltuende Oase. Riesiger Bambus, Bananenstauden und Kakteen wachsen hier in mitten von blauen und gelben Farbtupfern. Dieser Garten mit Villa wurde 1926 von Jaques Majorelle angelegt und 1980 von Yves Saint Laurant und seinem Lebensgefährten vor dem Verfall gerettet und 2008 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.




Nachdem die Seele aufgetankt hat, geht es wieder ins Getümmel, nämlich zum Gauklermarkt. Früher war hier der Treffpunkt der Karawanen, jetzt Treffpunkt der Händler mit Garküchen, Obstständen, dressierten Berberaffen und Schlangenbeschwörern.

Als Abschluss geht es ins Dar Essalam, einem marokkanischen Lokal unter der Altstadt, in dem 1956 Szenen des Hitchcock Films „Der Mann, der zuviel wusste“ gedreht wurde. Es gibt ein Folkloreprogramm, leider Lautstärker verstärkt, aber trotzdem unterhaltsam und das Essen ist wieder sehr gut und reichlich. Wir haben ja heute keine Zeit zum Mittagessen gehabt, deswegen wird alles Ratzeputz leergegessen.



Da wir heute von 8-23 Uhr on Tour waren, sind jetzt alle fix und fertig und fallen müde in Bett. Sogar der abendliche Absacker fällt aus.
Schlaft gut und träumt von 1000 und 1 Nacht in Marrakech.
