April 2026

04.04.26: Von den Bergen in die Königsstadt – Chefchaouen nach Fès

Bevor es in Richtung Fès geht, besichtigen wir die „blaue“ Stadt Chefchaouen und es geht in verwinkelte Gässchen mit Händlern, kleinen Plätzen, vielen Sackgassen, verzierten Türen und verschiedenen Gerüchen. Fast alle Häuser sind in weiss / blau gestrichen und die Stadt gilt deswegen als immaterielles Kulturerbe der UNESCO.

Diese Stadt mit ihren 46.00 Einwohnern gilt als sehr gesunde Stadt, weil es keine Fastfood Restaurants und auch keine großen Supermärkte gibt. Zwei mal in der Woche gibt es einen Markt, auf dem die umliegenden Bauern ihre regionalen Produkte anbieten. Alles andere kann man in kleinen Läden und Ständen kaufen. Nach 3 Stunden per Fuß bergauf und bergab geht es jetzt in die 194 km entfernte Stadt Fès.

Auf dem Weg dorthin gibt uns Adil wieder viel Wissenswertes mit auf den Weg. Z.B. gibt es in dieser Gegend vermehrt Wildschweine  und auch einige Weinanbaugebiete, was uns etwas verwundert, da das ja eigentlich nicht mit den islamischen Regeln zusammenpasst. Aber vom marokkanischen Königshaus wird ein sehr gemäßigter Islam vorgelebt und so leben auch alle 3 Weltregionen in diesem toleranten Land seit jeher friedlich zusammen.

Auf halber Strecke sehen wir im Nirgendwo einen großen Markt mit Zelten, einen Souk, auf dem die Bauern einmal die Woche ihre Produkte verkaufen. Aber dieser Markt ist auch ein wichtiger sozialer Treffpunkt. Hier werden Neuigkeiten ausgetauscht, Häuser und Grundstücke gehandelt, Waren getauscht, es gibt eine Post, wo auch Briefe hingeschickt werden können, einen Notar, einen Friseur und einen Zahnzieher.

Auf dem Weg zu unserem nächsten Ziel geht es vorbei an endlosen Olivenhainen, Orangenbäumen, Feldern mit Erbsen,  Zwiebeln, Minze, und Weizen. An der Straße entlang (die mal 4 spurig und gut ausgebaut und mal voller Schlaglöcher und sehr schmal ist) sehen wir unzählige Schafherden, Esel, Mulis, wilde Hunde, Kühe, Dromedare und Störche. Unser Fahrer Ismail meistert die oft kurvige Strecke mit Bravour und schlängelt sich an sehr langsamen Lastern mit Gasflaschen vorbei, weicht waghalsigen Überholern aus und schleicht durch viele Baustellen. Und im Hintergrund geht es immer noch am Gebirge Rif und seinen Ausläufern entlang.

Einer von 150 großen Stauseen

Sehr hübsch, oder ?

Da Adil auch ein begeisterter Hobbykoch ist, gibt er sein Rezept für das traditionelle Gericht Tajine preis. Dieses Schmorgericht wird in einem Art Römertopf zubereitet, besteht u.a. aus Zwiebeln, Fleisch, speziellen Gewürzen und Gemüse. und gaaaanz wichtig – Zwiebeln immer ganz unten.

Wir haben teilweise seit dem Frühstück nur wenig gegessen und uns läuft das Wasser im Mund zusammen und der Magen knurrt. Als wir an einer Orangenplantage vorbeikommen, besorgt uns Adil ganz frische Orangen. Mhhh, lecker.

Nach mehr als 3 Stunden Busfahrt kommen wir endlich in Fès an. Leider liegt unser Hotel etwas außerhalb und man kann nicht einfach mal kurz ins Städtle reinlaufen. Die Zimmer sind quadratisch, praktisch, zweckmäßig und teilweise klein, aber trotzdem für 2 Übernachtungen ausreichend.

Das Abendessen ist wieder in Buffetform und wenig marrokanisch – abr d‘r Honger treibt’s nei. Ein netter Kellner fragt unvorsichtigerweise, ob wir noch einen Wunsch haben und die Antwort lautet einstimmig: ein Bier. Er beginnt zu lachen und erklärt sich bereit einen Freund mit einem Motorroller in dem nächsten Shop zu schicken, der auch Alkohol verkauft. Wir machen es uns draußen schon mal gemütlich und freuen uns schon auf ein kühles Helles, aber schon kommt der Kellner um die Ecke und muss uns beichten, dass der Shop leider schon geschlossen hat. Also verschieben wir das auf morgen. Ein paar Meter weiter ist ein ***** Sterne Hotel mit einer Bar und so wackeln einige doch noch dort hin und welche Überraschung, da sitzen schon einige aus unsere Gruppe. Mir Schwoba wisset ons halt emmer zom Helfa.

Marokkanisches Arabisch (Darija): بالصحة ونعس مزيان

Berberisch: ⵜⴰⵏⵎⵎⵉⵔⵜ ⴰⵙⵏⵓ ⵎⴰⵏ

Französisch: Santé et dors bien

Schwäbisch: Proscht ond schlofet guat

 


30.03.26: Córdoba – Zwischen Moschee und Patios

Nach einem Abschiedsständchen im Hotel, sind wir auf dem Weg von Sevilla nach Córdoba. Vorbei an riesigen Feldern, Störchen und sogar einem Sonnenkraftwerk. Barbara erzählt wieder viel von Land und Leuten und von dem berühmtesten Torero seiner Zeit – El Córdobes.

Damit unsere Gesundheit erhalten bleibt, gibt’s bei einer Rast einen Notfallschnaps bzw. -whiskey

und dann taucht schon Córdoba vor uns auf.

Es ist noch Zeit vor der Führung der Moschee-Kathedrale für einen Snack und um die netten Läden zu besuchen.

Dann werden wir von Miguel (oder Michael, in Deutschland geboren, jetzt aber in Córdoba zu Hause) empfangen und er präsentiert uns dieses einzigartige Nationaldenkmal seiner Heimat – die Mezquita-Catedral.

Diese Moschee, erbaut auf einer westgotischen Basilika, war nach der Erbauung ab 786 die Größte seiner Art in Europa und die zweitgrößte Moschee der Welt (nach Mekka) mit einer Fläche von 23.400 m². Und in die Moschee wurde 1263 nach der Eroberung durch die Christen, eine riesige Kathedrale gebaut. Von den ursprünglichen 1013 Säulen sind 113 dem Neubau zum Opfer gefallen. Die Kathedrale wurde innerhalb von 230 Jahren eingebaut und beherbergt ein Chorgestühl mit 119 Sitzen und 56 Grabkapellen. Und wir haben die Sondergenehmigung bekommen, in einer der Kapellen Singen zu dürfen. Es war eine ganz besonderer Atmosphäre, die alle Anwesenden sehr ergriffen hat.

Moschee

Moschee

Kathedrale

Miguel hat so viel Spannendes und Informatives über das UNESCO Weltkulturerbe zu erzählen, dass wir gar nicht wissen, wo man zuerst hinschauen soll. Einfach überwältigend. Eine riesige Kirche innerhalb einer noch größeren Moschee – auf der ganzen Welt einzigartig.

>>> Info Moschee_Kathedrale (PDF)

Danke Miguel für die tolle Führung

Nach einer Stunde Guggen und Staunen, geht es in die Altstadt mit seinen vielen Gässchen und Innenhöfen (auch Weltkulturerbe) und ohne Miguel würde man nur schwer wieder zurück finden. Es wird ja behauptet, dass 2% der Einwohner verirrte Besucher seien.

Je müder die Füße werden, desto geringer ist die Lust, nach der tollen Führung, die Freizeit zu nutzen, um noch einen Einkaufsbummel zu machen. Zumal die Geschäfte schon um 17 Uhr schließen, weil es heute auch in Córdoba wieder Prozessionen gibt und die Einheimischen schon in die Altstadt strömen. Also strömen wir raus in Richtung Bus und haben eine kurze Fahrt ins Hotel.

Zwar hat unser Speisesaal beim Abendessen den Charme und den Lärm einer Bahnhofshalle, aber das Essen ist reichlich, heiß und ganz gut. Und da wir eine große Gruppe sind, bleibt die Hotelbar kurzerhand geschlossen und die Getränke könnten im Speisesaal geordert werden.

Aber es war wieder ein langer und beeindruckender Tag und so verschwinden doch viele relativ früh auf ihren Zimmern.

¡Buenas noches! ¡Dulces sueños!

PS.: Eigentlich trinkt man hier Wein erst nach 12 Uhr, ausser bei Beerdigungen, denn da ist Wein schon vorher erlaubt. Vielleicht sind deswegen Trauergäste zahlreich vertreten nach dem Motto: Trink vor 12 Uhr den Wein, denn du könntest der Nächste sein.

PSS.: Die vielen Innenhöfen sind oft sehr klein und so werden die Blumentöpfe platzsparend an den Wänden befestigt. Sieht toll und bunt aus, ist aber für die Frauen umständlich zum Gießen und das Gießwasser tropft den Männern auf den Kopf. Deswegen dürfen diese während des Gießens in die Bodega gehen. Es stellt sich jetzt nur die Frage, ob es deswegen immer mehr Wandtöpfe gibt, damit die Männer möglichst lange fortbleiben dürfen oder möglichst lange fortbleiben sollen.


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