06.04.26: Über Land – Von Fès nach Casablanca
Heute haben wir eine Strecke von 300 km vor uns. Zuerst geht es nach Meknès, eine der 4 Königsstädte in Marroko, neben Rabat, Fés und Marrakesch. Die Altstadt ist auch hier UNESCO Weltkulturerbe und besitzt eine 45 km lange Stadtmauer. Die Medina ist nicht ganz so verwirrend wie die Medina in Fés, aber zum Verlaufen würde es auch reichen. Der ehemalige König Mulai Ismail (1625-1727) war ein großer Bewunderer des französischen Sonnenkönigs und wollte seinen Baustil in Marroko dem des Schlosses Versailles anpassen. Er galt als etwas größenwahnsinnig – Geschichte wiederholt sich immer wieder.
Angeblich hatte er in seinem Harem 500 Frauen und ca. 1000 Kinder und wollte unbedingt eine französische Prinzessin Ludwigs XIV als weitere Gemahlin, schickte wertvolle Geschenke als Brautwerbung nach Frankreich und bekam als Ablehnung vier barocke Standuhren geschenkt. Diese flankieren noch heute den Sarkophag im prachtvollen Mausoleum. Allerdings galt ab diesem Zeitpunkt das Verhältnis der beiden Länder als etwas frostig.
Es gibt wieder ein leckeres marrokanisches Mittagessen. Bei uns heißt es ja „Jedes Böhnchen ein Tönchen“, Adil sagt dazu „Ausatmen in die Hose“.
Dann geht es in die 146 km entfernte Hauptstadt Rabat und während der Fahrt bekommen wir von Adil viele Informationen über Flora und Fauna, Heimatkunde und Geschichte und uns wird immer mehr bewußt, wie bedeutend Marokko in der Vergangenheit und auch heute noch in der Welt ist.
Auf der Fahrt fällt uns auf, dass die Polizeipräsenz im ganzen Land auffallend groß ist, es werden überall Fahrzeugkontrollen durchgeführt und auch in den vielen und großen Kreisverkehren regelt die Security National den Verkehr.
Wie besuchen in Rabat das Mausoleum von Mohammed V, dem Großvater des heutigen Königs – das drittgrößte Mausoleum weltweit. Es ist nur mit den wertvollsten Materialien ausgestattet, so ist der Sarkophag aus weisem Onyx und die Decke mit Gold verziert. Die 4 Eingänge werden von der königlichen Garde bewacht, deren Kleidung und Gewehr uns aber eher an eine Szene aus Karl May’s „Der Shut“ erinnert.
In Rabat findet man Alt und Neu, Antike und Moderne eng beieinander. Die Moschee aus dem 12. Jahrhundert konkurriert mit modernen Bauten gleich nebenan.
Und was auch überall auf den Straßen und den großen Parkanlagen zu finden sind, sind Straßenkehrer, die mit Palmwedeln und Kutterschaufeln für Sauberkeit sorgen. Da wäre in Stuttgart derzeit auch Handlungbedarf.
Wir kommen in die Rush Hour und es dauert ewig raus aus der Stadt in Richtung Casablanca. Die größte Stadt Marrokos ist seit 1912 von 12.000 Einwohnern auf heute ca. 4 Mio Einwohner gewachsen und ist ein zentraler Industriestandort und mit dem Hafen auch ein weltweit bedeutender Warenumschlagplatz geworden.
Trotz 6 spuriger Autobahn sind wir spät dran, deswegen geht es gleich ins Hotel und zum Abendessen. Wir sind heute zig mal raus aus dem Bus und wieder rein in den Bus, haben in kurzer Zeit die wichtigsten Sehenswürdigkeiten besichtigt und viele Geschichtsdaten zu verarbeiten und deswegen bleibt nur ein kleines Grüppchen übrig, das im Nachbarhotel einen Schlaftrunk nehmen will. Der Rest muss erst mal Köper und Geist pflegen.
Casablanca – Schau mir in die Augen Kleines.






