08.04.26: Vielfalt erleben – Atlasgebirge und Aït-Ben-Haddou
Die Nacht im Hotel in Marrakech war bei den meisten heute um 5:30 Uhr beendet. Plötzlich hatte man das Gefühl, dass gleich ein Flugzeug im Zimmer landet, denn das Hotel liegt in der Einflugschneise des Flughafens.
Es liegen heute min. 6 Std. Busfahrt vor uns, denn es geht in den Südosten über das Hochaltas Gebirge. Dieses Gebirge ist genauso alt wie unsere Alpen (60 Mio Jahre), hat 30 Berge mit mehr als 4000 m und der höchste Gipfel liegt bei 4176 m.
Wir sind bei Regen gestartet und je weiter wir uns nach oben schlängeln, desto besser wird die Sicht, die Sonne kommt raus und der Blick ist atemberaubend. Man fragt sich immer wieder, ist das Österreich oder Marokko ?
Die Bevölkerung in dieser Gegend besteht hauptsächlich aus Berbern, die sich selbst Imagzihen („freie Menschen“) nennen; sie sind keine einheitliche Gruppe, sondern bestehen aus zahlreichen Stämmen und Großfamilien. In dieser Gegend, weit vom irgendwo, gelangten sie zu hohem Reichtum, weil sie bei der Überquerung der Pässe Zoll verlangt haben. Mit der Unterstützung der Franzosen übernahmen sie die Verwaltung des Gebiets, was nach der Unabhängigkeit 1956 wieder aberkannt wurde.
Marokko ist das einzige Land, in dem der Arganbaum, auch Ziegenbaum genannt, zu Hause ist. Aus den Früchten wird hochwertiges kosmetisches Öl und Speiseöl gewonnen. Das Anbaugebiet umfasst 113.000 ha. Als vor 40 Jahren erkannt wurde, wie wertvoll und gesund dieses Öl ist, standen gleich Kosmetikkonzerne auf dem Plan, um die Herstellung zu Industrialisieren. Aber König Hassan II hat das glücklicherweise untersagt und mit Hilfe der GIZ wird das hochwertige und handgepresste Öl durch Kooperativen durch und für Frauen gefördert. Durch diese Kooperativen verdienen die Berberfrauen ihr eigenes Geld, werden finanziell unabhängig und fördern die Bildung ihrer Töchter. Abgerundet wird das durch die Vergabe von Mikrokrediten. Derzeit arbeiten 30.000 Frauen erfolgreich in 1.500 Kooperativen.
Wir machen bei einer Kooperative Halt und vor allem die Frauen decken sich mit verschiedenen Ölen ein. Und obwohl wir hier gefühlt im nirgendwo sind, klappt die Bezahlung per Kreditkarte problemlos.
Der nächste Stopp ist bei der Kasbah Air Ben Haddou nahe von Ouarzazate. Es ist ein Beispiel für einen befestigten Lehmziegelbau, der verschachtelt gebaut ist und auch UNESCO Weltkulturerbe ist. Dieser diente als Kulisse für Hollywoodfilme wie „Gladiator“ und „Game of Thrones“.
Wir haben heute von Regen, Sonne, Wind, Nebel, Kälte und Hitze wettertechnisch alles mitgenommen, was der Wettergott zu bieten hat. Nur geschneit hat es nicht, aber die höchsten Gipfel des Hohenatlas waren schneebedeckt. Unser Busfahrer Ismail fährt uns sicher über sie vielen Serpentinen und den 2260 hohen Pass hin und auch wieder zurück, was bei manchen engen Straßen und erstaunlich vielen Holländern mit Wohnmobilen und Wohnwägen gar nicht so ohne ist.
Leider geraten wir auf dem Rückweg wieder in das Verkehrschaos in Marrakech und schaffen es gerade rechtzeitig zum Abendessen. Jetzt heisst es noch für den Flug einchecken, was aber mehrere Versuche benötigt, da die Technik ab und an streikt.
So, jetzt aber ab in die Heia, denn um 5:45 Uhr steht der Bus bereit und es heißt Abschied nehmen.









